Roads to Siberia

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DrWolle
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Re: Roads to Siberia

Beitrag von DrWolle »

Moin moin,
sicher kann ich was dazu sagen :mrgreen: Beide Moppeds haben sich außerordentlich gut geschlagen. Wir hatten nur einen defekt, der wirklich ernst war, mein Anlasser hat sich mitten auf der BAM verabschiedet. Genauer gesagt die Schraube, an der der Stromanschluß befestigt war. Die Kunststoffisolierung ist gebrochen, vermutlich war ein aufgewirbelter Stein die Ursache. Wir haben ihn ausgebaut und die Isolierung mit Epoxi-Harz repariert. Das wars, er tut heute noch seinen Dienst, aber der neue Anlasser liegt bereits bei mir.
Bedingt durch seine exponierte Lage vorm Motor ist er durch die Wasserdurchfahrten innerlich ziemlich rostig und verwarzt. Daher sicherheitshalber der Austausch.
Ansonsten hier und da eine Schraube verloren bzw. nachzuziehen, ein paar lose Teile mit ner Schlauchschelle bzw. Panzertape oder Strppsen gesichert, das wars, Kette und Ritzel haben bei mir gut durchgehalten, auch weil ich in den sandigen Abschnitten sparsam mit Kettenspray umgegangen bin. Thoms Kette hat stärker gelitten, weil die Dosierung vom OSC-Oiler etwas zu stark war. Sprich das Öl hat die feinen Sandkörner aufgenommen = Schmirgelpapier...
Ansonsten war Alles gut.
Ich kann aus meiner Sicht sowohl die XChallenge als auch die 690er KTM für Fernreisen empfehlen. Natürlich mit Zusatztank und ein paar Extras wie Hardparts und guterm Motorschutz.
Gruß Wolle
Wer später bremst ist länger schnell;-)
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DrWolle
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Tag 43

Beitrag von DrWolle »

Tag 43 – 11. Juli
11. Juli. Heute haben wir nichts auf dem Zettel! Einfach mal ein ganzer Tag nur herum gammeln und nichts tun:-)
Da es erst ab Neun Frühstück gibt, haben wir länger schlafen können, uns dann erst einmal einen Mac-Kaffee gekocht und dabei am See gesessen und die Stille genossen.
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Dann sind wir zum Frühstück, es gab Kascha und Blinis, dazu Tee. Dabei bekamen wir mit, dass es die Möglichkeit gibt, ein Boot für verschiedene Exkursionen zu mieten. Entweder ein großes für 3 Stunden oder ein kleines für eine Stunde. Wir entscheiden uns für das kleine Boot und die Fahrt sollte gegen Elf losgehen. Wegen des Wellenganges wurde der Start dann aber verschoben und so ging es gegen Zwölf los. Das Boot war ein kleiner Flitzer mit Verdeck für 6 Personen, aber mit dem Skipper waren wir nur zu Dritt.
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Es war in der Tat etwas ruppig auf dem See, das Boot hüpfte auf und ab und wir mit. Es ging bis zu einem schönen Wasserfall wo wir kurz anlegten. Genau im richtigen Moment kam dann auch die Sonne raus. Auf der Rückfahrt bekamen wir noch einen Wasserfall zu sehen und nach einer knappen Stunde legten wir wieder am Camp an. Dort wartete bereits die Wasserschutzpolizei auf den Skipper. Wir bekamen nicht viel mit, aber es gab ein Protokoll und er sah nicht so glücklich aus. Danach holten die Polizisten noch ein paar andere Boote ran, auch hier gab es ein Protokoll. Die Wasserschutz hatte ein cooles Schlauchboot von der Art eines Zodiac mit einem fetten Außenborder hinten dran.
Da das Spiel für uns dann doch etwas langweilig wurde gingen wir zum Mittagessen, es gab einen leckeren Karottensalat, die Karotten waren in Knoblauchöl eingelegt, und dazu gefüllte Paprika. Anschließend ging es aufs Zimmer für einen gepflegten Mittagsschlaf.
So gegen Vier bin ich dann hoch und habe ein bisschen geschrieben, dann gabs noch einen Mac-Kaffee.
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Den Rest des Tages haben wir einfach verdaddelt. War ja auch so vorgesehen. Dann lecker zu Abend gegessen und den Plan für die nächsten Tage gemacht, natürlich in der Hoffnung, dass es Morgen nicht regnet und wir spätestens gegen Mittag los kommen.
Gruß Wolle
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DrWolle
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Tag 44

Beitrag von DrWolle »

Tag 44 – 12. Juli
12. Juli. Heute soll es wieder zurück nach Aktash gehen, wenn es der Wettergott denn zulässt. In der Nacht ist noch einmal ordentlich Wasser von Oben gekommen und auch während des Frühstücks hat es geregnet. Trotzdem haben wir unsere Sachen soweit zusammen gepackt. Natürlich fing es dann wieder zu regnen an als wir die Moppeds beladen wollten.
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Also noch einmal in Zimmer zurück und etwas lang gemacht. Nach einer guten halben Stunde war es dann soweit, die Sonne ließ sich blicken und so machten wir uns fertig. Die ersten Kilometer waren etwas tricky, weil der Boden ziemlich matschig war und teilweise tiefe Fahrspuren das Fahren auch nicht grad leichter machten. Doch danach wurde es besser, wir kamen relativ gut voran und es kam mir so vor, als wenn der Regen die Straße nicht nur entstaubt, sondern auch etwas weniger holprig gemacht hat. Unterwegs hielten hielten wir noch Ausschau nach den Steinen der „Mushroom-Formation“ aber wir konnten nichts davon entdecken. Also kurz eine geraucht und dann gings weiter zum Pass.
So von unten sieht die Auffahrt ziemlich heftig aus, es fängt gleich mit einer extremen Steigung an, dazu die ausgefahrene Fahrbahn, sieht nach Spaß aus :-) Also 1. Gang rein und los geht’s. Die Moppeds hüpfen den Berg hoch und es geht gut voran. Die Serpentinen lassen sich gut fahren und auch der Gegenverkehr verhält sich richtig, sprich wir als Bergverkehr werden durchgelassen. Kurz vor der Passhöhe ein kurzer Fotostopp und dann noch einmal ein paar Bilder von der Passhöhe geschossen. Leider kriegt man nicht den ganzen Pass aufs Bild.
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Während ich die Fotos machte wurde Thom von einem russischen Paar angesprochen, die sich sichtlich freuten, uns getroffen zu haben. Noch ein Foto mit uns für die Beiden und weiter gings. Irgendwie war mir kalt, so ein inneres Frösteln, obwohl die Temperatur so um die 20° lag. Dazu kalte Hände, also kurz anhalten, die Überhandschuhe anziehen und weiter. Komischerweise kamen uns jede Menge Autos entgegen, als ob die alle noch ins verlängerte Wochenende fahren wollen. Nach dem Städtchen Ulagan ging es noch einmal auf über 2000 m hinauf und es wurde tatsächlich ziemlich frisch, dazu eine dichte Wolkendecke. Zum Glück war es nicht mehr weit bis nach Aktasch. Dort angekommen waren wir uns schnell einig, hier wieder ins Hotel zu gehen, diesmal keine Hütte, sondern ein Zimmer mit Etagendusche und richtigem WC.
Ich kroch erst einmal unter die Decken um warm zu werden und Thom machte uns einen heißen Kaffee, danach eine heiße Dusche und so langsam wurde mir wieder warm. Dann ein lecker Schaschlik und ein Bier zum Abendessen. Während wir aßen kamen die vier Russen vom See im Hotel an. Wir begrüßten uns herzlich, aber wir waren schon fertig mit Essen und so gingen wir aufs Zimmer, um den Blog auf Vordermann zu bringen. Thom fand dabei heraus, dass wir das Permit doch hier bekommen müssten, er hatte die Koordinaten vom Büro zur Hand und ging noch schnell gucken, ob das auch passt. Es scheint tatsächlich das FSB Büro zu sein. Leider hatte er eine etwas unangenehme Begegnung mit ein paar Betrunkenen, aber es ging zum Glück glimpflich aus.
Dann noch die Berichte hochladen und der Tag war dann soweit gelaufen.
Mal gucken, ob wir dann auch Morgen das Permit für das Ukok Plateau hier bekommen.
Gruß Wolle
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DrWolle
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Tag 45

Beitrag von DrWolle »

Tag 45 – 13. Juli
13. Juli. Nach unserem gewohnten Frühstück, Kaffee, Kekse und eine Zigarette ging es los. Erst einmal Tanken, Einkaufen und den Bankomat ausräumen, dann auf die Straße nach Kosch Agach. Überwiegend in gutem Zustand und mal wieder schöne Kurven durch eine wunderschöne Landschaft. Dabei wurde es langsam etwas karger und kurz vor Kosh Agach öffnete sich ein weites Tal, das schon ein bisschen nach Mongolei aussah.
Kurz vorher trafen wir mal wieder auf Juha, den verrückten Finnen.
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Er kam gerade aus Kosh Agach und erzählte uns, dass die Grenze zur Mongolei wegen des Naadam Festivals noch bis einschließlich 15. Juli geschlossen ist und er sich deswegen noch ein wenig im Altai umsehen wollte. Wir empfahlen ihm, sich mal den Teletskoje See anzugucken. Noch ein wenig Informationen ausgetauscht und wir zogen los. In Kosh Agach gings zur Kommandatura vom FSB. Wir mussten zwar vor dem Tor warten, aber es kamen zwei Leute heraus, die uns leider mitteilten, dass wir hier keinen Propusk für das Ukok Plateau bekommen können, sondern nur in Gorno Altaysk... was dann zwischen 9 und 16 Tagen dauern könnte. Das war keine Option für uns, erst einmal wegen der Wartezeit, sondern auch weil es knapp 1000 km sinnloses Kilometer kloppen bedeuten würde.
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Erst einmal waren wir ziemlich enttäuscht, doch sagten wir uns, es ist wie es ist und fügten uns in unser Schicksal. Außerdem haben wir heute Halbzeit zu feiern und John stößt wieder zu uns. Also machten wir uns auf, eine Bleibe für die nächsten 3 Nächte zu suchen. Das erste Hotel war anscheinend belegt, aber wir fanden eine nette Gostiniza, also zugeschlagen und ein Einzel- und ein Doppelzimmer belegt. Und die Moppeds durften wir auf dem Hof abstellen. Alles gut!
Danach gingen wir Essen und anschließend kauften wir ein bisschen ein, Nudeln, Soße, Bier, Brot, Marmelade und ein paar kleine Naschereien für den Abend.
Danach gabs einen kurzen Mittagsschlaf und anschließend Kaffee und Kekse. So gegen Fünf tauchte dann John auf und wir waren wieder Komplett. John hatte zur Freude von Thom den Kettensatz aus Almaty mitgebracht. Wir tauschten die Erlebnisse der letzten Tage aus und fingen dann an unser Abendessen zuzubereiten. Es gab Nudeln mit einer roten Soße und Reis. Nicht perfekt aber es hat uns geschmeckt, zumal es danach noch lecker Bier gab.
Nachdem wir das Bier ausgetrunken hatten ging es dann gegen halb Elf zu Bett.
Gruß Wolle
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Tag 46

Beitrag von DrWolle »

Tag 46 – 14. Juli
14. Juli. Heute ist der erste „Wartetag“ und wir genossen es, bis halb Neun zu schlafen und dann das Frühstück selber zu zubereiten. Es gab Marmeladen- und Käsebrot, dazu Joghurt, Saft und Kaffee. Sozusagen ein klassisches europäisches Frühstück.
Anschließend zogen wir los zu einem Friseur, um uns einen passenden Haarschnitt für die Mongolei verpassen zu lassen. Ein bisschen mussten wir suchen, doch dann standen wir im Friseursalon und die Friseurin konnte mit ihren Handwerk beginnen. Zuerst wurde Thom hübsch gemacht, dann kam ich an die Reihe. Die Seiten machte sie schön kurz, aber oben wollte sie die Haare länger stehen lassen, aber das sah nicht wirklich gut aus, also entschied ich mich dann für den Klassiker, 9 mm :-)
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Danach gings wieder zurück und wir lümmelten uns auf der Veranda und warteten darauf, dass wir etwas Schatten bekamen, um unsere Wartungsarbeiten an den Moppeds durch zu führen. Auf dem Rückweg sahen wir noch eine alte russische Ural, während wir so am gucken waren kam der Besitzer und ließ es sich nicht nehmen, sie anzukicken. Wie er versprochen hatte kam sie auf den ersten Kick :klatsch:
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Bei mir war eine kleine Leckage an einem Kühlerschlauch zu überprüfen, dazu Luftfilter sauber machen und eventuell Bremsbeläge wechseln. Thom wollte seinen Kettensatz wechseln und ebenfalls ein paar prüfende Blicke aufs Mopped werfen. John hatte an seinem Mopped nichts zu tun, aber er half uns bei unseren Arbeiten.
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Ein richtiges Leck konnte ich nicht feststellen, aber die Schlauchschelle ließ sich ein bisschen nachziehen. Dem Luftfilter konnte ich wieder reichlich Staub ausklopfen, Bremsbeläge waren noch okay, also Tank wieder drauf und gut. Dann meinem Kettenwerkzeug ging der Wechsel bei Thom ebenfalls recht zügig von statten, so dass wir nach 2 Stunden damit durch waren. Nach einer Dusche gings dann in ein Kaffee, um etwas zu essen. Es gab eine Art russische Variante von Bauernfrühstück, Kartoffelschnitzel, Hackfleisch, Tomaten und Käse mit Ei, das ganze heiß gemacht. Es schmeckte wirklich lecker.
Anschließend ging es wieder ins Hotel für einen späten Mittagsschlaf. So gegen Acht haben wir dann noch kurz für ein klassisches Abendbrot eingekauft. Dazu natürlich wieder etwas Bier. Anschließend sind wir dann zu Bett.
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Tag 47

Beitrag von DrWolle »

Tag 47 – 15. Juli
15. Juli. Eigentlich wollten wir heute ein kleines bisschen fahren, 20 km die Straße rauf gibt es eine kleine Stichstraße, die anscheinend zum Fuß der Berge führt und für die augenscheinlich kein Propusk notwendig ist. Es gab wieder das klassische europäische Frühstück, natürlich selbst gemacht. Weil ich noch mit meiner Frau telefonieren wollte legten wir den Start auf kurz nach Zehn.
Aber erstens kommt es anders als man zweitens denkt. Viertel vor Zehn klopfte es an der Zimmertür und eine nette Dame kam ins Zimmer, forderte uns auf, Passport und Immigrationcard zu nehmen und ihr zu folgen. Mit vielen Fragezeichen im Gesicht nahmen wir unsere Papiere und vier Reisende folgten ihr die Straße entlang zur örtlichen Meldebehörde. Dort erklärte uns eine junge Sachbearbeiterin in relativ gutem englisch, dass unser Visa nicht mit dem Eintrag auf der Immigrationcard übereinstimme und wir deswegen eine Erklärung abgeben müssen. Dazu kam noch, dass bei einem Australier der Zeitraum in den Visa überschritten war, weil die mongolische Grenze geschlossen war. Wie dem auch sei, die netten Mädels im Büro versuchten auf außerordentlich umständliche Weise dieses nicht ins Standardschema passende Problem zu lösen.
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In unseren Visa war als Grund des Besuches „cultural relationship“ eingetragen, auf der Immigratiocard haben die Grenzer aber „Privat“ als Besuchsgrund unterstrichen, wohl weil auf diesem Formular kein anderes Feld auch nur annähernd mit dem Visaeintrag übereinstimmte. Naja, das schien auf jeden Fall ein ernsthaftes Problem zu sein, wir mussten ihnen erklären, was unter „cultural relationship“ zu verstehen sei. Also sagten wir, wir machen Fotos von der Landschaft, treffen uns mit Russen, um mehr über Land und Leute erfahren, führen einen Reisebericht im Internet und halten in Deutschland Vorträge über unsere Reise und Erlebnisse während dieser Reise. Das versuchten die Mädels dann in ein Formular einzutragen und uns dann diese „Erklärung“ unterschreiben zu lassen. Allein das Fertigen dieser Erklärung mit diversen Nachfragen dauerte bis halb Eins. Dann bekam ich das erste Exemplar zum Lesen oder besser gesagt einigermaßen verständlich übersetzt und zeichnete es ab. Dann musste es geändert werden, weil ja auch noch der Passus „übersetzt und verstanden, Angaben nach bestem Wissen und Gewissen abgegeben“ eingefügt werden musste. Also das Ganze noch einmal. Nachdem meine Erklärung fertig war kam Thom an die Reihe. Natürlich wieder mit vielen Nachfragen und dann bekam Thom das Exemplar zur Unterschrift vorgelegt. Als er mit freundlich spöttischen Unterton fragte „didnt i got a translation?“ lachten wir wohl etwas zu laut, was der Chefin anscheinend gegen den Strich ging, sie rief die Sachbearbeiterin zu sich und verpasste ihr ein paar harsche Worte. Sichtlich geknickt kam sie zurück und gab uns zu verstehen, dass wir zurück ins Hotel gehen sollten und sie würden dort anrufen, wenn alle Papiere fertig sind.
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Wir haben dieses Problem wohl nicht mit der nach Ansicht der Chefin gebotenen Ernsthaftigkeit aufgenommen denke ich. Doch was bleibt uns Anderes übrig, als das Ganze gelassen zu sehen? Aufregen macht keinen Sinn, die Mädels machen nur ihre Arbeit. Okay, ich hätte das vielleicht anders gehandhabt, aber ich bin ja auch ein alter Verwaltungshase, die Mädels hingegen vielleicht zwei oder drei Jahre dabei und mit so einem Vorgang völlig überfordert.
Zurück im Hotel kochten wir uns erst einmal ein Mittagessen, schließlich macht Verwaltungsarbeit hungrig. Danach ist Thom dann doch zum Büro gegangen und kam wieder erwarten mit unseren Papieren und Kopien unserer Erklärung zurück. Also dauerte der gesamte Prozess knapp Fünf Stunden. Da wiehert der Amtsschimmel würde ich sagen. Einhellig haben wir dann beschlossen, das Papier vorerst nicht an der Grenze vorzuzeigen und bei der nächsten Einreise bei der „Immigrationcard“ auf den richtigen Eintrag zu achten.
Auch wenn nahezu der ganze Tag gelaufen ist war es doch eine Art Abenteuer:-)
Was uns ein wenig zu denken gibt ist der scheinbar schlechte Stand der Ausbildung der Leute in der Verwaltung, sie arbeiten sehr langsam, Eingaben in den PC dauern unendlich lange und das lässt sich nicht nur damit erklären, dass sie unsere Namen quasi ins russische übersetzen müssen. Vorgänge außerhalb von 08/15 scheinen sie völlig zu überfordern...
Ebenfalls überraschend ist, dass sich sowohl in den Hotels als auch in den Geschäften der Taschenrechner als unverzichtbares Tool eingebürgert hat. Selbst einfachste Additionen und Subtraktionen werden damit durchgeführt, zum Beispiel 100 + 20... unglaublich aus unserer Sicht. Wirklich erklären lässt sich das nicht, zumal bei uns heutzutage zumindest die Grundrechenarten nach wie vor gelehrt werden, andererseits erinnere ich so manchen Restaurantbesuch, wo wir kopfschüttelnd das Lokal verlassen haben ob der Rechenkünste des Personals.
Möglicherweise hat das ehemals gute russische Schulsystem böse nachgelassen oder die schlechten Schüler landen in der Verwaltung oder dem Dienstleistungssektor, was ich ebenso nicht wirklich glauben kann.. Oder aber die nun viel selbständigeren Teilrepubliken der russischen Föderation haben sich auf andere Schwerpunkte statt Bildung festgelegt. Mal sehen, was meine Tante als ehemalige Lehrerin dazu sagen wird.
Da Thom seinen Kettensatz gewechselt hat wollte er dann doch noch ein Stück fahren. Als er zurück kam konnte er ein paar Neuigkeiten in Sachen Grenze berichten. Morgen um Neun Uhr wird die Grenze geöffnet und es stehen derzeit ca. 20 Autos vor der Grenze aufgereiht, dazu einige Radfahrer und eine Handvoll Moppeds. Weitere 20 Autos sind wohl wieder zurück nach Kosh Agach gefahren. Das kann Morgen also recht interessant werden. Andererseits stehen Motorräder nicht in der Schlange, sondern fahren bis zum Stoppschild durch :-)
Wir planen um 07:30 Uhr los zu fahren, damit wir rechtzeitig an der Grenze sind. Ansonsten lassen wir uns überraschen, wie sich der Grenzübergang gestaltet und wie weit wir danach kommen. Zumindest Olgy ist angedacht.
Heute wollen wir unsere Vorräte noch ein wenig auffrischen und dann mal gucken, wie wir den Abend gestalten. Wahrscheinlich ganz entspannt bei einem Bier und dann relativ zeitig zu Bett.
Gruß Wolle
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Tag 48

Beitrag von DrWolle »

Tag 48 – 16. Juli
16. Juli. Endlich geht es wieder auf die Moppeds und Richtung mongolische Grenze. Da wir wegen der Grenzschließung einen großen Andrang befürchten sind wir schon kurz nach Sechs aufgestanden und sind nach einem guten Frühstück gegen 07:30 vom Hof gefahren. Wie üblich dann noch einmal volltanken mit dem guten 95er Stoff und dann los.

An der Grenze angekommen profitieren wir zunächst von Thom Erinnerung und suchen erst einmal die Vorprüfstelle auf, aber irgendwie hat der Mensch dort keine Geduld, meinen Pass will er gar nicht mehr sehen:-)
Also weiter zum russischen Grenzposten, natürlich bis ganz vorne an die Schlange. Was uns niemand krumm nimmt. Kurz Pässe vorgezeigt und schon dürfen wir in den Abfertigungsbereich. Entgegen Thom Erinnerung ist dieser Grenzübergang neu organisiert und so kommen wir recht zügig durch. Wir dürfen zwar unser Gepäck öffnen, aber wirklich gucken tut keiner. Dann zum zweiten Kontrollposten und los geht’s durch das „Niemandsland“ zum letzten russischen Posten. Dann sind wir schon mal auf mongolischem Boden. Wie gewohnt fahren wir am mongolischen Posten wieder an der Schlange entlang zur Pole-Position, doch diesmal werden wir ziemlich energisch ans Ende geschickt. Wir haben das Desinfektionsbecken übersehen. Diesmal heißt es wie alle anderen Schlange stehen!
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Was leider auch bedeutet, dass sich das ganze Prozedere endlos hinziehen kann. Schaun wir mal. Dann wird es spannend, immer wieder werden nach uns eintreffende Fahrzeuge von dem Posten oder teilweise vom Chef persönlich durchgewunken. Bei den Kleinbussen kann man das ja noch verstehen, aber bei den normalen PKW, die nahezu ausschließlich aus Kasachstan sind doch reichlich unverständlich. Wie wir nachher feststellen können, ist der größte Teil der Bevölkerung im Westen der Mongolei kasachischer Herkunft, insofern gibt es viele verwandtschaftliche Beziehungen und daher eben die „Sonderbehandlung“.
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Langsam und so gar nicht stetig geht es voran. Die Autos vor uns dürfen noch durchs Tor, wir aber nicht. Dann wird sogar das Tor abgeschlossen und es sieht aus, als wenn die Grenze zum Mittag geschlossen wird. Tolle Wurst, eine Stunde oder so weiter in der prallen Sonne warten. Doch irgendwie scheint sich da was zu tun, die Funke vom Torposten plärrt und er sagt was von Motocicle... Vielleicht haben wir ja doch Glück.
In der Tat, er öffnet das Grenztor und schickt uns zusammen mit 2 Pkw zum Abfertigungsgebäude hinunter. Dort werden wir von einem anderen Posten empfangen und lassen uns erwartungsvoll ins Gebäude führen. Doch da ist kein Mensch und so folgen wir dem Posten bis zu einer Kantine, wo er uns bedeutet, wir sollen hier warten und gerne auch etwas Essen. Das ist schon ein spezieller Service, Mittagessen in der Grenzer Kantine. Das Essen ist soweit okay, der Tee nicht mit fermentierter Milch versetzt und zum Glück für mich nur wenig wirklich fettes Fleisch. Nach dem Essen geht es wieder raus zum Warten.
Dann endlich tauchen die ganzen Grenzer wieder auf und wir schaffen es, als Erste dran zu kommen. Die Abfertigung verläuft wie bereits von den anderen Grenzen gewohnt auf den ersten Blick etwas chaotisch, aber doch strukturiert. Dann sind wir fertig wird uns bedeutet. Also auf zum zweiten Tor, Pässe und Laufzettel vorzeigen, doch der Posten schickt uns zurück, es fehlt ein zweiter Stempel auf dem Laufzettel. Also wieder zurück ins Gebäude. Doch dort will keiner was von einem zweiten Stempel wissen. Also ein neuer Versuch. Diesmal mit Erfolg, anscheinend hat man dem Posten Bescheid gegeben;-)
Gleich nach der Grenze werden wir wieder angehalten, wir sollen oder besser müssen eine Versicherung abschließen und eine sogenannte Road-Tax zahlen. Nicht wirklich teuer aber irgendwie fühlen wir uns abgezockt, denn was wir sehen, ist keine Straße für die ich zahlen würde, das ist einfach eine abgefahrene Piste. Aber egal, wir haben eh keine Wahl.
Dann endlich sind wir wirklich in der Mongolei. Die Straße von der Grenze weg ist bescheiden und staubig. Doch weil wir inklusive 2 Stunden Zeitverschiebung fast Sieben Stunden für den Grenzübertritt brauchten werden wir die Hauptroute nach Olgii nehmen, weil es sonst zu spät wird und wir möglicherweise im Dunkeln fahren müssten.
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Nach der ersten Ortschaft, Tsagaannuur, entwickelt sich die Piste dann doch zu einer veritablen Teerstraße und wir kommen gut uns staubfrei voran. In Olgii, einer für die Mongolei größeren Stadt machen wir dann im Blue Wolf Ger Camp Quartier. Wieder eine Jurte mit 3 Betten, aber es gibt eine Dusche und WC gleich nebenan. Also schnell frisch gemacht und dann auf zum Restaurant Pammukale, dem besten türkischen Restaurant in der Mongolei. Die Stadt ist recht staubig, aber es wird an allen Ecken gebaut bzw. renoviert.
Das Restaurant macht einen guten Eindruck, die Karte hat erkennbar türkischen Ursprung und das Essen ist wirklich gut, lediglich der Czacik erinnert mehr an eine Suppe als an Joghurt.
Nach dem wir uns satt gegessen haben geht es noch auf ein Bier in eine Bar, wo aber nicht wirklich was los ist, es ist entweder zu früh oder der falsche Tag.
Also zurück ins Camp und ab in die Heia, morgen wird’s nämlich ein harter Ritt auf kleinen Nebenstraßen zur Nordroute.
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Tag 49

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Tag 49 – 17. Juli
17. Juli. Heute geht es dann ans „Eingemachte“, wir steigen in die Nordroute ein. Doch vor dem Vergnügen steht die Arbeit, an Thoms Bike haben wir einen Plattfuß, vorne ist die Luft raus. Also schnell das Werkzeug raus geholt und den Schlauch gewechselt. Dann können wir starten und nach dem Tanken geht es dann los.
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Es geht von Olgii gen Norden, am Achit Nur See vorbei über Hotgor und Burgastay nach Ulangom. Schon in der Stadt gehen wir auf eine staubige Piste. Die Piste schlängelt sich durch ein Flusstal und lässt sich abgesehen vom Staub recht gut fahren, wir sind so ungefähr mit 40-50 km/h unterwegs. Nach einer Stunde überholen wir zwei Motorradreisende aus Deutschland, allerdings wegen des Staubes ohne anzuhalten. Dann geht es aus dem Flusstal hinaus auf eine Ebene. Hier teilt sich die Piste in vier Arme und ein Schild mit verschiedenen Ortsnamen soll wohl Reisenden den richtigen Weg weisen. Uns hilft das jedoch nicht viel. Während wir noch rätseln haben die Beiden Reisenden aufgeschlossen. Also werden jetzt erst einmal Erfahrungen und das Woher und Wohin ausgetauscht. Für mich interessant ist, dass eine XT1200Z mit von der Partie ist.
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Soweit hat sie sich ganz gut geschlagen, aber ist letztlich wie die GS von John eigentlich zu schwer für diese Pisten. Weiter geht’s, wir entscheiden uns für eine Piste und stellen schnell fest, dass Navigation in der Mongolei nicht ganz ohne Tücken ist. Wir haben uns nämlich für die falsche Piste entscheiden. Zum Glück können wir mit einer kurzen Querfeldeineinlage den Fehler korrigieren. Dann queren wir ein Flusstal und es wird sandig. Zum Glück geht das ganz gut und wir haben Glück, es gibt eine Brücke anstatt der erwarteten Furt :-)
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Wir machen kurz Pause und da taucht ein 40 Tonnen Lkw auf, der kurz anhält und eine Horde aufdringlicher Kinder auslädt. Die nerven wirklich, müssen Alles angrabbeln und sind recht distanzlos. Also rödeln wir auf und machen uns davon. Dann passiert es, wir sind gerade auf unterschiedlichen Tracks unterwegs, als mein Track plötzlich scharf rechts geht und John und Thom nach links fahren. Laut Navi bin ich auf dem richtigen Weg, doch kann ich die Beiden nicht mehr sehen. Also anhalten, warten, umdrehen, nichts zu sehen. Ich fahre wieder weiter, um auf den anderen Track zu kommen, wieder nichts zu sehen. Also den Track zurück zum Anfang und da warten sie auf mich.
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Und die Moral der Geschichte ist, immer zusammen bleiben und aufpassen, dass man nicht außer Sicht kommt!
Jetzt wird es felsiger und die Piste ruppiger, wir queren ein großes Geröllfeld, was wohl im Frühjahr verdammt viel Wasser führt. Auch der Lkw taucht wieder auf und ist viel zügiger unterwegs als wir, der Anhänger springt nur so rum, aber das stört den Fahrer nicht. Aber an Johns Felge kann man ablesen, wie ruppig die Piste ist...
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Interessanterweise liegen überall Kohlenstücke herum, keine Ahnung woher die stammen. Dann erreichen wir eine kleine Ortschaft oder besser gesagt ein gottverdammtes Loch, das eine Bergarbeitersiedlung ist, wie wir anhand eines Denkmals und einer großen Abraumhalde erkennen können. Wirklich heimelig sieht das Kaff nicht aus und irgendwie wirken die die Bewohner sehr unfreundlich und verschlossen. Danach geht es einen Pass hinauf, vorbei an vielen Gers, wie die Jurten hier heißen. Überall weiden Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde.
Wir treiben unsere Moppeds über den Pass und erreichen schließlich die A16, die Hauptstraße der Nordroute. Wobei Hauptstraße hier nur bedeutet, die Piste ist doppelt so breit und es gibt etwas mehr Verkehr. Noch ein oder 2 Stunden erreichen wir die Abzweigung nach Ulangom, die Straße ist sogar geteert, eigentlich schade, aber andererseits nach gut sieben Stunden Pisten eine willkommene Abwechslung. Ulangom empfängt uns mit einer Mautstation... Okay, wir zahlen 500 Tugrik pro Mopped und dürfen in die Stadt. Erst einmal Vorräte aufstocken, weil wir Campen wollen, dann tanken und weiter geht es. Als wir aus der Stadt raus fahren empfängt uns eine perfekte Asphaltstraße, der wir zunächst folgen. Da es schon spät ist entscheiden wir uns für ein Ger Camp, das an einem malerischen Fluss liegt. Letztlich eine gute Entscheidung und wir können gleich mit dem Kochen anfangen. Doch als Erstes gibt es einen Kaffee.
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Das Wirtspaar erweist sich als sehr freundlich und hilfsbereit, sie stellen uns sogar eine Boom-Box mit mongolischer Musik hin.
Am Ende war es ein toller und anstrengender Fahrtag, mit vielen Eindrücken und den diversen Arten von Pisten in der mongolischen Wildnis.
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Beitrag von DrWolle »

Tag 50 – 18. Juli
18. Juli. Nach einem Frühstück mit Brot, Marmelade und Kaffee ging es weiter. Wir nahmen die neue Asphaltstraße in der Annahme sie wäre die Fortsetzung der Nordroute, doch falsch gedacht, sie führte uns weiter südlich den Chjargas Nuur entlang. Aber egal, am Ende des Sees gibt es laut Karte eine Piste, die uns wieder auf die Nordroute bringt. So schön der Asphalt ist, so öde erscheint die Fahrerei, kaum Abwechslung durch die Landschaft. Dann kommt der See in Sicht, gar nicht schlecht und er bietet anscheinend den einen oder anderen Strand. Sogar so etwas wie einen kleinen Badeort haben wir passiert.
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Also dachten wir uns, wir gucken mal nach einem ruhigen Abschnitt und versuchen an das Ufer zu kommen. Thom fand eine Abzweigung und wir entschieden, wir wollen Baden. Doch das erwies sich als nicht so einfach, die Abzweigung erwies sich als ziemlich tricky zu fahren, weil sehr sandig, teilweise über 10 cm tief. Thom kam soweit gut durch, John nicht, er musste unabsichtlich absteigen. Also anhalten, Johns Mopped aufrichten und schieben, damit er die GS durch den Sand bekommt. Mit der XChallenge klappte das ganz gut, dann wieder Tiefsand, John blieb wieder stecken und mit gemeinsamer Kraft haben wir die GS wieder frei bekommen. Und es fehlten noch 500 m zum Strand. Irgendwie hatten wir die Nase voll, also lieber umdrehen als den ganzen Tag im Sand spielen. Noch zweimal mussten wir Schiebehilfe geben, bevor wir wieder die Straße erreicht haben.
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Am Ende des Sees war dann der Asphalt zu Ende und wir hatten wieder die gewohnte Pistenvielfalt, staubig ohne Ende und in der Mitte die für den Asphalt vorbereite neue Straße. Was für ein Staub, gefühlt hatte jedes Fahrzeug eine Staubschleppe bis zum Horizont.
Also versuchte jeder von Uns wieder die beste Spur für sich zu finden. Was gar nicht einfach war, oft hatten wir die Wahl zwischen tiefem Sand, Waschbrett und Waschbrett. Aber irgendwie kamen wir dann doch voran. So gegen Drei am Nachmittag hielten wir an einer Art Kaffee, sprich ein Haus, ein Ger und ein paar Schuppen. Als wir anhielten kam ein Mongole auf uns zu und lud uns in das Ger ein. Es gab Tee und dann machten wir deutlich, dass wir etwas zu Essen haben wollten.
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Dazu dann ein kühles Getränk. Sie schienen uns verstanden zu haben, denn seine Frau und Tochter machten sich anscheinend an die Arbeit. Ich will nicht ungerecht sein, aber die Beiden waren ausgesprochen unansehnlich...Das Essen kam, das übliche Nudelgericht mit viel fetten Fleisch. Naja, die Nudeln schmeckten ganz gut und das Fleisch probierte ich gar nicht erst. Trotzdem schien es Thom und John zu schmecken.
Nach dem Essen ging es dann über die Piste weiter. Irgendwann erreichten wir die Stelle, wo die Bauarbeiten endeten und nur die Piste mit ihren vielen Spuren übrig bleib. Noch gut eine Stunde hatten wir auf ihr zu fahren, bis die Abzweigung kam.
Die neue Piste erwies sich als gut zu fahrender Feldweg, zunächst wirkte sie recht unbenutzt, dann kamen immer mehr Tracks dazu und wir waren uns nun sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Da wir noch ein gutes Stück zu fahren hatten beschlossen wir zu Campen, wir hatten ja noch unsere Notration aus Trockennudeln und Müsli-Riegeln. Thom fand dann einen guten Platz für unser Lager. Nachdem alles aufgebaut war gabs erst einmal einen Mac-Kaffee, dann machten wir uns an die „Notration“, im wahrsten Sinne nur in der Not wirklich genießbar... aber was solls.
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Irgendwie bekamen wir das auch hinunter. Allerdings haben wir die Müsliriegel dann doch fürs Frühstück aufgehoben.
Noch der übliche Abendplausch und ein kritischer Blick zu den Wolken und dann verschwanden wir alle im Zelt. Zum Glück haben wir keinen Regen abbekommen, obwohl am Horizont einige Blitze zu sehen waren wie John morgens erzählte.
Gruß Wolle
Wer später bremst ist länger schnell;-)
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Godek
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Re: Roads to Siberia

Beitrag von Godek »

So ein geiler Reisebericht..... :klatsch: :daumen: :klatsch:
Saison is von Januar - Dezember.......

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